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Anthropologische und archäologische Untersuchung

Ergebnisse der anthropologischen Untersuchung der Skelettreste vom Burgstall Na Jánu in Netolice.

Das Ensemble von ca. 18 unkompletten aus der Grabung von 2000 stammenden menschlichen Skeletten erbringt interessantes anthropologisches Material. Um seine Bearbeitung hat man die anthropologische Abteilung des Nationalmuseums Prag gebeten. Das anthropologische Material wurde von Dr. rer. nat. Vítězslav Kuželka bearbeitet, die Tierknochen bestimmte Dr. rer. nat. Miriam Nývltová-Fišáková vom Archäologischen Institut der Akademie der Wissenschaften ČR Brno (Brünn).

Im südböhmischen Gebiet existiert eine Reihe bedeutenderer zeitnaher anthropologischer Serien (z. B. Radomyšl bei Strakonice), das Ensemble aus Netolice ist beachtenswert durch die beträchtliche Vertretung an Kinderbestattungen. Das untersuchte anthropologische Material aus der Ausgrabung wird einerseits von Knochenfunden aus den einzelnen Schichten der zwei Schnitte, andererseits vom Inhalt der konkreten entdeckten Gräber in diesen Schnitten gebildet. Diese zwei Materialgruppen haben jedoch aus anthropologischer Sicht unterschiedliche Aussagekraft und dieser Tatsache musste auch die Bearbeitungsmethodik angepasst werden. Die Knochen aus den einzelnen Schichten stammten in der Regel von mehreren Individuen, deren Zahl man manchmal nicht einmal annähernd bestimmen konnte. Die Befunde an den verstreuten Knochen können uns aber z. B. das Bild vom Gesundheitszustand der untersuchten Population vervollständigen. Die Menschenknochen waren meist mit einer größeren Menge Tierknochen vermischt. Am häufigsten waren Auerochsenknochen und Hausschwein-, Schaf- oder Ziegenknochen vertreten. Es befinden sich hier freilich auch nicht näher bestimmte Vogelknochen (Geflügel), Hunde- und Hirschknochen.

Zu den interessantesten Funden gehörten:

Grab Nr. 1/00

In Grab Nr. 1 war ein Mann mit robuster Knochenstruktur und einer Größe von mindestens 172 cm beigesetzt. Sein Alter können wir auf 30–50 Jahre schätzen. Er litt an beträchtlichem Knochenschwund an der Lendenwirbelsäule und an Arthrose der kleinen Hand- und Fußgelenke.

Grab Nr. 2/00

Das Geschlecht des Individuums lässt sich wegen des schlechten Skelettzustands nicht eindeutig bestimmen, aber es handelt sich eher um eine Frau. Das Alter kann man auf 20–30 Jahre schätzen. Der Körperbau ist durchschnittlich, mit stark ausgebildeten Muskelansätzen. Falls die Einschätzung des Geschlechts richtig ist, können wir die Größe des bestatteten Individuums auf etwa 161 cm taxieren. An der Knochenstruktur der unteren Gliedmaßen sind Veränderungen, die man als Addaptation an häufige Tätigkeit „in der Hocke“ interpretieren kann.

Grab Nr. 3/00

In Grab Nr. 3 war ein Kleinkind von 2–3 Jahren beigesetzt. Die porösen Knochenbezirke in beiden Augenhöhlen sind wahrscheinlich eine Äußerung von Blutarmut.

Grab Nr. 4/00

In Grab Nr. 4 war eine Frau bestattet, sie starb im Alter von etwa 20–30 Jahren. Sie hatte eine grazile Knochenstruktur und eine Größe von etwa 158 cm. Sie litt an erhöhter Zahnfäule und degenerativen Veränderungen an den Bandscheiben (Osteochondrosis), die wir angesichts des Alters der Frau nicht vermuten würden.

Grab Nr. 5/00

In Grab Nr. 5 war ein etwa dreijähriges Kind bestattet.

Grab Nr. 6/00

In Grab Nr. 6 war ein Kind von etwa 4 Jahren beigesetzt. An der Schädelwölbung treten Verdünnungen der Schädelknochen auf, die offenbar durch eine Störung ihrer Ossifikation entstanden war.

Grab Nr. 7/00

In Grab Nr. 7 war ein zwei- bis dreijähriges Kind bestattet.

Grab Nr. 8/00

In Grab Nr. 8 war eine erwachsene Frau im Alter von etwa 40–50 Jahren beigesetzt. Sie hatte eine robuste Knochenstruktur mit stark entwickelten Muskelansätzen und eine Körpergröße von etwa 163 cm. An den Knochen der unteren Gliedmaßen sind Veränderungen, die man als Adaption an ein Leben „in der Hocke“ interpretieren kann. Die Frau litt an degenerativen Veränderungen der Bandscheiben (Osteochondrosis) und an Arthrose der Kniegelenke.

Grab Nr. 10/00

Es handelt sich um die Beisetzung eines Mannes um die zwanzig. Er hatte eine robuste Knochenstruktur und durchschnittlich entwickelte Muskelansätze. Seine Körpergröße betrug etwa 170 cm.

Grab Nr. 11/00

Beinahe vollständiges Skelett eines Kleinkindes. An beiden Schläfenknochen ist eine grüne Kupfer-Ion-Verfärbung. Nach der Gebissentwicklung kann man das Alter des Kindes auf etwa 5–6 Jahre schätzen. Im unteren Drittel der Diaphyse des rechten Armknochens ist die gleiche grüne Verfärbung wie am Schädel. Die Längen der Diaphysen der langen Knochen entsprechen eher einem höheren Alter des Kindes, was seine gute körperliche Kondition vor dem Tod bezeugen könnte. Die Körpergröße des Kindes war nach Stewart (1960) etwa 150 cm.

Grab Nr. 12/00

Schlecht erhaltene rechte Skeletthälfte eines Kleinkindes von etwa 4 Jahren.

Grab Nr. 13/00

In Grab Nr. 13 war eine jugendliche Person bestattet (15–20 Jahre), wahrscheinlich eine Frau.

Grab Nr. 14/00

Die Bestattung eines Kleinkindes von etwa 2–3 Jahren mit einem Befund von porösen Knochenbereichen in den Augenhöhlen-Decken (cribra orbitalia), die als Äußerung von Blutarmut gelten.

Grab Nr. 15/00

Beisetzung einer erwachsenen Person, wahrscheinlich einer Frau, mit mittlerem bis grazilem Knochenbau. Ihr Alter können wir nach dem Ausmaß der pulpösen Höhlung des Schenkelknochen-Kopfes auf etwa 50–60 Jahre schätzen. Die Körpergröße der bestatteten Person war etwa 161–162 cm.

Grab Nr. 16/00

Grab eines Mannes im Alter von 40–50 Jahren mit robustem Knochenbau und starken Muskelansätzen. Seine Körpergröße können wir auf etwa 166 cm schätzen. Am rechten Schenkelknochen und an den Unterschenkelknochen sehen wir Veränderungen, die man als Adaptation an ein Leben „in der Hocke“ interpretieren kann. An beiden Beinen hatte er als Variation ein eigenartiges zusätzliches Knöchelchen.

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