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Saison 2003

Ausgrabung im Jahr 2003

Der Ermittlungs- und Rettungscharakter der Grabung hing mit dem Vorhaben der Errichtung einer Rekonstruktion des frühmittelalterlichen Befestigungsgürtels zusammen. Ein weiteres Ziel der Ausgrabung war es, den Charakter der Schichten des ältesten Schanzwerks am Rand des Felskörpers selbst festzustellen. Diese Kante (Hang) unterliegt ständiger Erosion. Die räumliche Verteilung der Schnitte schloss an die im Jahr 2000 durchgeführte Grabung an. In zwei Fällen wurden die Schnitte 1 und 2 weiter ausgearbeitet und in substantieller Art bis auf die Kante des Felshanges selbst hin vertieft.

Grabungsmethodik

Die Flächenschnitte 3/2003 und 4/2003 wurden im Raum zwischen den Schnitten 1/2000 und 2/2000 angesetzt, Schnitt 5/03 südöstlich von Schnitt 2/2000. Die Verteilung der Schnitte wurde im

 

Beschreibung der Geländesituation

Schnitt 1/2003 (1/2000)

In diesem Schnitt, wo die Erforschung bereits 2000 realisiert worden war, wurde ein kurzer Profilabschnitt der Nordwestwand dokumentiert, an Stellen bei der Geländekante, wo der Schnitt nicht wieder aufgefüllt worden war. Die zusätzliche Dokumentation wurde in dem Bemühen vorgenommen, die bei der Grabung von 2000 getätigte Interpretation der Fundsituation zu revidieren. An der Südwestkante des Schnitts wurde im Jahr 2000 eine Lagezeichnung einer linearen Steinsetzung angefertigt, die in sich zwei chronologisch unterschiedliche Komponenten vereint. Ein Teil der Steine gehört zur Basis einer frühmittelalterlichen Schichtenfolge, der wesentliche Teil hängt jedoch mit einem Geländeeingriff in die frühmittelalterliche Schichtenfolge zusammen, der offensichtlich neuzeitlich oder rezent ist. Diese stratigraphische Beziehung war bei der Grabung im Jahr 2000 nicht vermerkt worden. Auf der neu angefertigten zeichnerischen Dokumentation wurde eine Grenze zwischen den frühmittelalterlichen Schichten 4 und 5 und den Schichten 3 und 2 gekennzeichnet, die eindeutig von einem nachträglichen Eingriff in die mittelalterliche Schichtenfolge zeugt. Gleichzeitig wurden auch auf der Grundrisszeichnung des Schnitts die Steine aus beiden stratigraphischen Zusammenhängen unterschieden.

Schnitt 2/2000

In diesem Schnitt, wo die Erforschung schon 2000 realisiert worden war, wurden die Profilabschnitte der nordwestlichen und südöstlichen Wand dokumentiert, an den Stellen an der Geländekante, wo der Schnitt nicht erneut aufgefüllt worden war. Die nachträgliche Dokumentation wurde in dem Bemühen geführt, die bei der Grabung von 2000 getätigten Interpretationen der Fundsituation zu revidieren. Am Südwestrand des Schnitts wurde 2000 eine lineare Steinsetzung erfasst. Nach der Gegenüberstellung der damals angefertigten Dokumentation mit der Stratigraphie an der Wand des Schnitts wurde eine neue zeichnerische Dokumentation angefertigt. An den Stellen oberhalb der erwähnten Steinsetzung wurde eine deutliche Grenze zwischen der frühmittelalterlichen Schichtenfolge und den späteren Geländeeingriffen erkannt, die im Jahr 2000 nicht vermerkt worden war. Die Neubegutachtung der Stratigraphie bewies einen Zusammenhang der Steinsetzung mit den neuzeitlichen Eingriffen und widerlegte die Einordnung dieses Kontextes ins Frühmittelalter.

Schnitt 3/2003

Beim Abschieben der oberen Lehmschichten, die außer frühmittelalterlicher Keramik auch Porzellan und Fabriksteingut enthielten, zeichnete sich etwa in der Mitte des Schnitts eine lineare Steinsetzung ab, in Richtung Nordost – Südost gelegen und etwa 0,5–1 m breit, die deutlich an ähnliche, in den Schnitten 1/2000 und 2/2000 identifizierte Strukturen anschloss. Die Lehmschichten saßen auf eine massive Schicht gelbgrauen Sandes mit einer großen Menge Steine auf. Die Datierung der Schicht ins Frühmittelalter wurde vom Fundsachverhalt in den Schnitten 1/2000 und 2/2000 belegt, wo in einer stratigraphisch höheren Fundlage außer Anderem auch eine frühmittelalterliche Begräbnisstätte gefunden wurde. Beim Putzen der Oberfläche von Schnitt 6 wurde eine stratigraphische Beziehung zur oben beschriebenen Steinkumulation erkannt, die sich als jünger herausstellte. Sie füllte einen Eingriff in die frühmittelalterliche Schicht aus, der offenbar mit neuzeitlichen oder rezenten Geländemodifikationen zusammenhing. Die Zwischenräume zwischen den Steinen waren von graugelbem mit Lehm vermischtem Sand ausgefüllt. Der Flächenabschub im Schnitt wurde an der Oberfläche der frühmittelalterlichen Schicht aus graugelbem Sand eingestellt. Für die Dokumentation der Gesamtstratigraphie wurde ein Aushub entlang der Nordwestwand des Schnitts bis auf den Felsuntergrund ausgebaggert. Die frühmittelalterliche Schicht aus graugelbem Sand saß hier auf einer Schicht aus verwittertem Granitfelsen auf.

Schnitt 4/2003
In diesem Schnitt wurde derselbe Fundsachverhalt wie in Schnitt 3/2003 vorgefunden.
Schnitt 5/2003

Unter Lehmschichtten, die rezente Funde enthielten, wurde im Nordwest-Teil der Stratigraphie eine ähnliche Fundsituation wie in den Schnitten 1/2000, 2/2000, 3/2003 und 4/2003 erfasst. Auf einer Schicht verwitterten Felsens saß hier eine Schicht aus graugelbem Sand aus dem Frühmittelalter auf, datierbar ins Frühmittelalter (siehe oben). Hier wurden jedoch keine rezenten Geländeeingriffe nachgewiesen, wie sie in den übrigen Schnitten erfasst worden waren. Im Ostteil des Schnitts war die stratigraphische Situation unterschiedlich: unter rezenten Bauschutt-Schichten saß auf dem Felsen eine kompakte Lehmschicht auf, die früh- und hochmittelalterliche Keramik enthielt. Die Bestimmung der stratigraphischen Beziehung zur graugelben Sandschicht wurde von einem weiträumigen rezenten Geländeeingriff verhindert, offenbar eine Erosionsschlucht.

Schlussfolgerung

Bei der Grabung 2003 wurden die bisherigen Interpretationen der abgeschobenen Stratigraphie umgewertet. Auf Grund der neu bestimmten Differenzierung der einzelnen stratigraphischen Kontexte gehört die ursprünglich für einen Überrest einer „frühmittelalterlichen vorderen Schanzmauer“ gehaltene lineare Steinsetzung zu den neuzeitlichen Geländemodifikationen bei der Errichtung der Terassenmäuerchen. Die deutlichste stratigraphische Situation wurde in Schnitt 2/2003 dokumentiert. Die lineare Steinsetzung hängt hier klar mit einem prägnanten Eingriff in die frühmittelalterliche Schichtenfolge zusammen. Die Überreste der frühmittelalterlichen Befestigung wurden beim Stein-Abbau evident zerstört. Den einzigen Kontext, der nachweislich mit der frühmittelalterlichen Befestigung zusammen hängt, stellt die massive Schicht aus verlagertem verwittertem Granitfelsen dar, die auf allen Flächenschnitten identifiziert worden war. Diese Schicht kann man als Bestandteil des Erdkorpus des frühmittelalterlichen Schanzwerks ansehen. Bei der Grabung wurden keine Überreste innerer Holzkonstruktionen gefunden, die den Erdkörper befestigten. Der Vorderteil der Befestigungslinie war an den Stellen der Ausgrabung durch den Steinabbau zerstört.

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